
Ein Blick in die Wolfsburger Kinder- und Jugendarbeit, Teil 1 von 4
Zwischen Zukunftsfragen, Freundschaften und dem Wunsch, die eigene Welt mitzugestalten – ein Blick in die Wolfsburger Kinder- und Jugendzentren zeigt, warum sie heute wichtiger denn je sind. In unserer vierteiligen Reihe wollen wir einen Einblick in die Angebote der Kinder- und Jugendarbeit geben: von pädagogisch betreuten Abenteuerspielplätzen über das klassische Jugendzentrum bis hin zum selbstverwalteten Jugendhaus.
Aktuelle Jugendstudien zeichnen ein differenziertes Bild der jungen Generation: Jugendliche wachsen in einer Zeit auf, die von Krisen, Unsicherheiten und schnellen gesellschaftlichen Veränderungen geprägt ist. Die aktuelle SINUS-Jugendstudie beschreibt Jugendliche als besorgt, zugleich aber als resilient, alltagszufrieden und erstaunlich optimistisch. Die Shell-Jugendstudie kommt zu ähnlichen Ergebnissen: Junge Menschen beschäftigen sich mit Fragen rund um ihre Zukunft, gesellschaftlichen Zusammenhalt, Bildung, soziale Gerechtigkeit und die Auswirkungen digitaler Medien. Gleichzeitig wünschen sie sich Zugehörigkeit, Anerkennung und die Möglichkeit, ihre Umwelt aktiv mitzugestalten.
Wer Jugendliche verstehen will, muss ihnen zuhören. Genau das tun die Mitarbeitenden der Jugendförderung Wolfsburg jeden Tag. Sie begegnen jungen Menschen nicht mit fertigen Antworten, sondern mit offenen Türen, verlässlichen Beziehungen und der Möglichkeit, ihre Themen einzubringen. Genau hier setzt die Offene Kinder- und Jugendarbeit an.
Ein Nachmittag in Wolfsburg
Es ist ein ganz gewöhnlicher Nachmittag in Wolfsburg. Die Schulglocke ist längst verstummt. Für viele Jugendliche beginnt jetzt die Zeit, die sie selbst gestalten können. Die 15-jährige Leonie steigt am ZOB aus. Ihr Ziel ist nicht die Innenstadt, sondern der Jugendtreff Haltestelle. Hier trifft sie Freundinnen und Freunde, tauscht sich über Musik aus und diskutiert mit anderen Jugendlichen über Ideen für eine gemeinsame Aktion im Rahmen von Beteiligungsformaten.
Ein paar Kilometer weiter sitzt der 13-jährige Emir im Jugendhaus X-Trem am Laagberg. Vor ihm liegen Papier, Stifte und erste Entwürfe für ein Graffiti-Projekt. Er probiert sich aus, bekommt Tipps und entwickelt aus einer spontanen Idee Schritt für Schritt sein eigenes Vorhaben.
Im Jugendhaus ASS in Vorsfelde plant eine Gruppe Jugendlicher die nächste LAN-Party. Es wird gespielt, diskutiert und gelacht. Ganz nebenbei entstehen Gespräche über Schule, Ausbildung und Zukunftswünsche. Schule und Ausbildung sind zentrale Themen für die jungen Menschen. Ein erfolgreicher Schulabschluss ist Voraussetzung für eine Ausbildung und erhöht die Perspektiven für eine berufliche Zukunft.
Im FBZ Westhagen treffen sich Kinder und Jugendliche unterschiedlichster Herkunft und kultureller Vielfalt. Vier Jungs sind am Billardtisch und nehmen sich nach jedem Fehlschlag gegenseitig auf die Schippe, denn es gilt: „Der Verlierer muss aufräumen!“ Die Mädchen diskutieren angeregt über weitere LED-Streifen und Fotowände im Mädchenraum, den sie letzten Sommer eigens gestrichen und mit neuen Möbeln bestückt haben. Hier entstehen Begegnungen, die im Alltag oft nicht selbstverständlich sind.
Vier Orte. Vier Geschichten. Und doch geht es überall um dieselben Fragen: Wo gehöre ich dazu? Wer hört mir zu? Was kann ich bewegen? Die Antworten auf diese Fragen finden Jugendliche häufig in den Einrichtungen der Jugendförderung.
Mehr als Freizeitangebote
Offene Kinder- und Jugendarbeit ist weit mehr als Freizeitgestaltung. Sie schafft Räume, in denen junge Menschen ihre Persönlichkeit entwickeln, Verantwortung übernehmen und Gemeinschaft erleben können. Sie bietet Möglichkeiten zur Beteiligung, fördert demokratische Kompetenzen und unterstützt Jugendliche dabei, ihren eigenen Weg zu finden.
Studien zeigen, dass Jugendliche sich ernst genommen fühlen möchten. Sie wünschen sich Orte, an denen sie mitreden können und auf Menschen treffen, die ihnen auf Augenhöhe begegnen. Gerade in einer Zeit, in der soziale Medien viele Lebensbereiche prägen und gesellschaftliche Entwicklungen zunehmend komplex erscheinen, gewinnen reale Begegnungsorte an Bedeutung. Jugendzentren sind solche Orte. Sie sind Treffpunkt, Lernort, Rückzugsraum und Experimentierfeld zugleich.
Räume für die Zukunft
Die Geschichten von Leonie und Emir sowie von den vielen anderen Jugendlichen in Wolfsburg stehen stellvertretend für eine ganze Generation. Eine Generation, die mit großen Herausforderungen aufwächst, aber gleichzeitig engagiert, reflektiert und voller Ideen ist. Eine Generation, die sich Gemeinschaft, Orientierung und Beteiligung wünscht.
Die Einrichtungen der Jugendförderung Wolfsburg schaffen dafür die notwendigen Räume. Sie bieten jungen Menschen Möglichkeiten, sich auszuprobieren, Beziehungen aufzubauen und ihre Zukunft aktiv mitzugestalten.
Die Frage „Was bewegt Jugendliche in Wolfsburg?“ lässt sich deshalb nicht mit einem einzelnen Thema beantworten. Es sind Freundschaften und Zukunftspläne in Form von Schule, Ausbildung und der eigenen Rolle in der Gesellschaft. Es sind Kreativität und digitale Lebenswelten. Es sind Fragen nach Zugehörigkeit, Mitbestimmung und Perspektiven. Es sind die aktuellen gesellschaftlichen und politischen Herausforderungen. Es sind Armut, Gesundheit und Inflation. Vor allem aber sind es die Orte, an denen all das stattfinden kann. Die Jugendzentren der Stadt Wolfsburg sind solche Orte – jeden Tag.
Jugendhaus X-Trem am Laagberg: Raum für Kreativität und Mitgestaltung
Im Jugendhaus X-Trem stehen die Ideen der Jugendlichen im Mittelpunkt. Kreative Projekte, kulturelle Angebote und gemeinsame Aktionen entstehen häufig aus den Interessen der Besucherinnen und Besucher selbst. Hier können junge Menschen Neues ausprobieren, eigene Fähigkeiten entdecken und erleben, dass ihre Ideen zählen. Damit greift die Einrichtung ein Bedürfnis auf, das auch die aktuellen Jugendstudien beschreiben: Jugendliche wollen gestalten, statt nur zu konsumieren. „Jugendliche brauchen Orte, an denen sie nicht bewertet werden, sondern ihre Stärken entdecken können. Genau dafür schaffen wir hier Raum“, sagt Melanie Berger, Mitarbeitende im Jugendhaus X-Trem.
Offener Treff für Kinder und Jugendliche von 10 bis 27 Jahren
Dienstag bis Freitag: 15:00 – 19:00 Uhr
Jugendhaus ASS in Vorsfelde: Zwischen digitaler Lebenswelt und persönlicher Begegnung
Digitale Medien gehören selbstverständlich zum Alltag junger Menschen. Gaming, soziale Netzwerke und digitale Kommunikation prägen viele Lebenswelten. Das Jugendhaus ASS greift diese Themen auf und verbindet sie mit persönlicher Begegnung. Hier entstehen Gespräche über digitale Trends genauso wie über Freundschaften, Schule oder berufliche Perspektiven. Die Einrichtung begleitet Jugendliche dabei, digitale Medien kompetent zu nutzen und ihre Interessen weiterzuentwickeln. „Jugendliche bewegen sich selbstverständlich zwischen digitalen und analogen Welten. Unsere Aufgabe ist es, sie in beiden Lebensbereichen zu begleiten“, sagt Michaela Grabowski, Mitarbeitende im Jugendhaus ASS.
Offener Treff für Kinder und Jugendliche von 8 bis 27 Jahren
Montag: 13:00 – 19:00 Uhr
Mittwoch und Donnerstag: 13:00 – 19:00 Uhr
Freitag: 14:00 – 21:00 Uhr
FBZ Westhagen: Gemeinschaft erleben und Vielfalt gestalten
Familie, Freundschaften und soziale Beziehungen gehören laut aktueller Jugendforschung zu den wichtigsten Ressourcen junger Menschen. Im FBZ Westhagen wird diese Gemeinschaft täglich erlebbar. Die Vielfalt des Stadtteils spiegelt sich in den Angeboten wider. Am Ende des Ramadans wird gemeinsam eine Dattel gegessen und damit das Fasten gebrochen. Das Thekenteam hängt den Adventskranz in der Weihnachtszeit auf. Und unsere russischen sowie ukrainischen Besucher*innen erklären beim Kartenspiel, warum an Ostern Eier gegeneinandergeschlagen werden. Kinder und Jugendliche begegnen sich hier unabhängig von Herkunft, Sprache oder sozialem Hintergrund. Gemeinsame Aktivitäten schaffen Vertrauen, fördern Zusammenhalt und stärken das Gefühl, Teil einer Gemeinschaft zu sein. „Wenn Jugendliche erleben, dass sie Teil einer Gemeinschaft sind und etwas bewegen können, stärkt das ihr Selbstvertrauen und ihre Zukunftsperspektiven“, sagt Francesco Donato, Mitarbeitender im FBZ Westhagen.
SpielZeit (6 bis 11 Jahre)
Mittwoch bis Freitag: 15:00 – 18:00 Uhr
WestZone (ab 12 Jahren)
Dienstag bis Donnerstag: 15:00 – 20:00 Uhr
Freitag: 14:00 – 18:00 Uhr
Jugendzentrum Haltestelle, Innenstadt: Mitten in der Stadt, nah an den Themen junger Menschen
Direkt am ZOB gelegen, ist die Haltestelle für viele Jugendliche ein wichtiger Treffpunkt. Hier finden junge Menschen Raum für Austausch, Beteiligung und Freizeitgestaltung. Die Themen, die Jugendliche bewegen – von gesellschaftlichen Entwicklungen über kulturelle Interessen bis hin zu persönlichen Herausforderungen – finden hier ihren Platz. Die Einrichtung schafft einen offenen Rahmen, in dem junge Menschen ihre Ideen einbringen und ihre Persönlichkeit weiterentwickeln können. „Jugendliche brauchen keine perfekten Orte. Sie brauchen Orte, an denen sie akzeptiert werden, sich einbringen können und Menschen finden, die ihnen zuhören“, sagt Lea Meyer, Mitarbeitende im Jugendzentrum Haltestelle. Der FSJler Yorick ergänzt: „Hier am ZOB sind wir ein Safe Space für junge Menschen.“
Offener Treff für Jugendliche und junge Erwachsene von 14 bis 21 Jahren
Mittwoch: 14:00 – 19:00 Uhr
Donnerstag: 16:00 – 21:00 Uhr
Freitag: 14:00 – 19:00 Uhr
Mitreden, Mitgestalten, Mitbestimmen
Neben den klassischen Einrichtungen der Offenen Kinder- und Jugendarbeit spielt auch das Kinder- und Jugendbüro Wolfsburg eine wichtige Rolle für junge Menschen in der Stadt. Als zentrale Anlaufstelle für Kinder- und Jugendbeteiligung unterstützt es junge Wolfsburgerinnen und Wolfsburger dabei, ihre Ideen, Wünsche und Anliegen in politische und gesellschaftliche Entscheidungsprozesse einzubringen. Das Kinder- und Jugendbüro begleitet den Kinder- und Jugendbeirat, organisiert Beteiligungsprojekte und ermöglicht jungen Menschen, ihre Stadt aktiv mitzugestalten. Ob bei der Planung von Spielplätzen, Schulhöfen, Freizeitanlagen oder bei Fragen der Stadtentwicklung – die Sichtweisen von Kindern und Jugendlichen werden hier gehört und ernst genommen. Damit schafft das Kinder- und Jugendbüro einen wichtigen Raum für demokratische Bildung und echte Mitbestimmung. Es zeigt jungen Menschen, dass ihre Meinung zählt und dass sie Veränderungen anstoßen können. Ganz im Sinne der Offenen Kinder- und Jugendarbeit werden so Selbstwirksamkeit, gesellschaftliches Engagement und Verantwortungsbewusstsein gefördert.
Dass Beteiligung in Wolfsburg mehr ist als ein Schlagwort, zeigt auch der Weg zur Kinderfreundlichen Kommune. Bereits 2012 beteiligte sich die Stadt als eine der bundesweiten Pilotkommunen am gleichnamigen Programm und verpflichtete sich damit, die Rechte von Kindern und Jugendlichen konsequent zu stärken. Damit hat sich die Stadt verpflichtet, die UN-Kinderrechte konsequent umzusetzen und die Beteiligung von Kindern und Jugendlichen dauerhaft zu stärken. Mit der dauerhaften Auszeichnung als „Kinderfreundliche Kommune“ im Jahr 2023 wurde dieser Weg bestätigt. Gleichzeitig versteht die Stadt das Siegel als Verpflichtung. Das Kinder- und Jugendbüro trägt dazu bei, diesen Anspruch im Alltag mit Leben zu füllen und junge Menschen an wichtigen Entscheidungen in ihrer Stadt zu beteiligen.
Weitere Informationen zu Angeboten, Projekten und Veranstaltungen der Jugendförderung Wolfsburg gibt es in den nächsten drei Teilen unserer Reihe und unter www.jugendraumgeben.de.
Foto: oh/adobe stock

