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„Pilze im neuen Licht — Materialforschung am Schnittpunkt zwischen Kunst und Wissenschaft.“

v.l.n.r.: Malte Taffner, Dr. Henrik-Alexander Christ im Labor. Foto: oh/Taffner

Können Pilze künftig synthetische Bindemittel in Baumaterialien ersetzen?

Wie lässt sich das Wachstum von Organismen unter UV-Licht direkt sichtbar machen und welche Gestaltungsmöglichkeiten gibt uns das bei der Verwendung? Diesen Fragen widmet sich der nächste Science Talk im phaeno Wolfsburg in Kooperation mit der Volkswagen Group. Am Donnerstag, 24. September 2026, ab 18:30 Uhr, erklärt der Chemiker Dr. Henrik-Alexander Christ im Wissenschaftstheater, wie aus biologischen Systemen nachhaltige Werkstoffe entstehen. Der Eintritt ist frei.

Pflanzlicher Klebstoff statt Chemie: Biobasierte Werkstoffe aus der Region: Ob Spanplatten, MDF-Platten oder Oberflächenbeschichtungen — in vielen alltäglichen Baumaterialien stecken synthetische Bindemittel. Am Fraunhofer-Institut für Holzforschung, Wilhelm-Klauditz-Institut (WKI) in Braunschweig, erforscht Dr. Henrik-Alexander Christ vollkommen biobasierte Alternativen. Der Wissenschaftler nutzt dafür Pilzmyzelien und deren Biopolymere. Das fadenförmige Gewebe durchwächst organische Reststoffe wie Holzspäne und bindet diese wie ein natürlicher Klebstoff.

Besonders interessant: Bei Versuchen mit Lackporlingen stieß das Forschungsteam auf einen nützlichen Effekt. Unter UV-Licht strahlen die Myzelien mehrfarbiges Licht aus. Diese Fluoreszenz lässt sich als visueller Indikator nutzen. Der zeitliche und örtliche Verlauf des Leuchtens zeigt nämlich genau an, wie aktiv der Pilz arbeitet, was eine gezielte Steuerung des Herstellungsprozesses erlaubt.

Innovative Wege der Wissenschaftskommunikation: skulpturale Kunstwerke aus lebenden Pilzmaterialien

Neben der Laborarbeit setzt Christ auf innovative Wege der Wissenschaftskommunikation. Seine Materialproben standen bereits auf der Bühne des Braunschweiger Staatstheaters. Im vom Fraunhofer Netzwerk Wissenschaft Kunst Design geförderten Projekt „LuminousNetworks“ arbeitet er aktuell mit dem Künstler Malte Taffner zusammen. Gemeinsam fertigen sie skulpturale Kunstwerke aus lebenden Pilzmaterialien, die klassische Motive der griechischen Mythologie aufgreifen und die biologischen Prozesse für Besucher unmittelbar erlebbar machen. Einen Teil dieser Arbeit wird auch beim kommenden Science Talk gezeigt.

Der Science Talk wird hybrid angeboten, sowohl in Präsenz als auch als YouTube-Livestream. Den Link zum Livestream findet man auf der phaeno Webseite unter www.phaeno.de

Zur Person:

Dr. Henrik-Alexander Christ absolvierte sein Chemiestudium an der Philipps-Universität Marburg und der Technischen Universität Braunschweig. Während seiner Promotion in Polymerchemie an der TU Braunschweig verarbeitete er Pilz-Biopolymere zu neuartigen Nanofasermembranen. Sein Fokus liegt seither auf der Verwendung umweltverträglicher und gesundheitlich unbedenklicher Stoffe. Seit 2021 leitet er Forschungsprojekte am Fraunhofer-Institut für Holzforschung, Wilhelm-Klauditz-Institut (WKI) in Braunschweig. Für seine Arbeiten an der Schnittstelle von Forschung und Kunst erhält er Unterstützung durch das Fraunhofer Netzwerk Wissenschaft Kunst Design.