Tönendes Hertie-Werbegeschenk von 1963

Neue Museums-Reihe „Bandbreite“

Weit über 10.000 Objekte umfasst die Sammlung des Stadtmuseums. Nicht umsonst spricht man vom dreidimensionalen Gedächtnis der Stadt. Ab jetzt wird unter dem Titel „Bandbreite“ jeden Monat ein besonders originelles oder aussagekräftiges Museumsstück aus dem Depot ans Licht geholt und zunächst auf einer Veranstaltung und dann in einer Vitrine für vier Wochen im Museumsfoyer präsentiert. Den Anfang macht nun ein tönendes Werbegeschenk aus dem Kaufhaus Hertie: eine Schallfolie aus dem Jahr 1963 mit dem Schlager „Wir sind jung“.

Solche auch „Flexi Discs“ genannten Schallfolien waren bis in die 1980er Jahre als Give Aways oder auch Zeitschriftenbeilagen durchaus verbreitet. Sie kamen im normalen Single-Format daher, doch ihre Vinyl-Folie war so dünn und biegsam, dass nur auf einer Seite Rillen eingepresst waren. Auf diesem Exemplar besangen Hannelore Auer und Teddy Parker mit viel „Yeah, Yeah!“ im Refrain die unternehmungslustigen, reisefreudigen und modebewussten Jugendlichen. Am Schluss machten sie den Teens und Twens mit einer gesprochenen Werbebotschaft das Kaufhaus Hertie als preiswerte Einkaufsquelle schmackhaft. Lag die Schallfolie erstmal auf dem Plattenteller, war ihre Werbewirkung sicher intensiver als die einer flüchtig überblätterten Zeitungsanzeige.

Die beiden Interpreten gehörten damals nicht zur ersten Garde deutscher Schlagersänger, hatten jedoch schon mehrere Singles veröffentlicht und in mehreren Musikfilmen mitgewirkt. Beide machten noch bis die frühen 2000er Jahre von sich reden: Claus Herwig alias Teddy Parker als Volksmusik-Sänger und Hannelore Auer als Ehefrau und Managerin von Heino.

Die Schallfolie mit dem Titel „Wir sind jung“ gehörte als Werbemittel zur Verkaufsschau „Jugend International“, worauf auch die zahlreichen Landesflaggen auf der Hülle verwiesen. Dabei wurden 1963 in vielen Hertie-Filialen Schallplatten, Kleidung aber auch Campingartikel auf Sonderflächen für die junge Kundschaft präsentiert. In Wolfsburg erschien sogar noch eine Ansichtskarte, die das Hertie-Kaufhaus mit einem großen „Jugend International“-Transparent an der Fassade zeigte.
Der Kaufhaus-Neubau war hier im November 1960 eröffnet worden und sorgte über viele Jahre für großstädtisches Einkaufsflair in der Volkswagenstadt.

Die Schallplattenabteilung im 2. OG war eine wichtige Anlaufstelle für Musikliebhaber. Dort arbeitete von 1973 bis 1979 Angelika Knabe, heute tätig im Aufsichtsdienst des Hoffmann-von-Fallersleben-Museums. Sie erinnert sich schmunzelnd daran, dass sie als Schallplattenverkäuferin selbst zu einer bekannten Figur in Wolfsburg wurde: „Wenn ich am Samstagabend mal in eine Disco ging, kannten mich alle“. Weil sie individuelle Bestellungen aufnahm, konnte sie auch ausgefallene Musikwünsche erfüllen, und wenn das Geld am Monatsende knapp wurde, legte sie für Stammkunden auch schon mal Platten zurück.

Das Hertie-Kaufhaus wurde im Sommer 2003 geschlossen und zu großen Teilen abgerissen. Schallplatten sind heute nur noch Nischenprodukte, und Schallfolien beinahe völlig vergessen. Das im Stadtmuseum aufbewahrte Exemplar zeigt eindrucksvoll, wie sehr sich die Medien des Musik-Konsums und die Verbreitungsformen von Werbeinhalten verändert haben.
 

Foto: Stadtmuseum/Meike Netzbandt

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