Nach neun Jahren als Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Wolfsburg wurde Beate Ebeling in den Ruhestand verabschiedet.

Nach neun Jahren als Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Wolfsburg wurde Beate Ebeling nun in den Ruhestand verabschiedet.

Nach neun Jahren als Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Wolfsburg wurde Beate Ebeling in einer Feierstunde im Beisein von Oberbürgermeister Klaus Mohrs und Kolleginnen und Kollegen in den Ruhestand verabschiedet.

“Sie setzten sich mit allen Kräften für die Chancengleichheit und die Rechte der Menschen ein, die ihre Hilfe benötigen und nehmen, wenn nötig, dabei auch kein Blatt vor den Mund”, sagte Mohrs bei seiner Dankesrede. In diesem Sinne war es Zeit für ein Fazit – auch, wenn das Gespräch mit Ebeling deutlich macht: Der Weg zum Ziel “Gleichstellung” ist ein ständiger Prozess.
Bevor Ebeling im Januar 2011 nach Wolfsburg kam, war sie bereits im Landkreis Wolfenbüttel elf Jahre als Frauenbeauftragte und anschließend als Leitung der Personalabteilung tätig. “Wolfsburg hatte schon seit Langem den Ruf einer modernen, aufstrebenden und familienfreundlichen Stadt. Hier das Thema Gleichstellung voranzutreiben, hat mich total gereizt”, erinnert sich die gebürtige Gifhornerin. Beinahe eine Dekade war Ebeling im Amt –in dieser Zeit haben sich die Inhalte ihrer Arbeit durchaus gewandelt: “Es gibt Themen, die mich schon vor über 20 Jahren beschäftigt haben, wie beispielsweise Gewalt gegen Frauen oder der Gehaltsunterschied zwischen Männern und Frauen. Diese Themen sind nach wie vor aktuell: Zwar wurden neue Hilfesysteme geschaffen, aber an der Grundproblematik hat sich leider nicht viel verändert. Andere Punkte sind in den letzten Jahren neu dazugekommen, zum Beispiel die Digitalisierung: Wie wirkt sich diese auf das Leben und den Arbeitsmarkt, insbesondere auch für Frauen, aus? Das sind Fragen, die unsere Arbeit in den vergangenen Jahren zunehmend geprägt haben.”
Gefragt nach den größten Erfolgen in ihrer Amtszeit zeigt sich Ebeling pragmatisch: “Ich glaube, Erfolge haben immer auch etwas mit den Herausforderungen zu tun, die noch zu bewältigen sind.” So wurde in Wolfsburg in 2019 erfolgreich die Fachstelle für Täterarbeit im Rahmen häuslicher Gewalt gemeinsam mit den Landkreisen Gifhorn und Helmstedt installiert. “Dafür haben wir hier vor Ort und gemeinsam mit dem Arbeitskreis fünf Jahre lang gearbeitet”, berichtet Ebeling. “Es freut mich sehr, dass ich dieses Projekt noch zu Ende bringen konnte. Aber damit ist es noch nicht getan: Die Beratungsstelle muss weiter begleitet und beworben werden. Im Moment gibt es auch noch ein paar Hindernisse bei der Übermittlung von Täterdaten, um unseren proaktiven Ansatz umzusetzen. Es wird noch dauern, bis sich das Angebot fest etabliert hat.”
Neben ihrer Tätigkeit im Rathaus war Ebeling als Mitglied der Kommission der Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten im Deutschen Städtetag sowie von 2012 bis 2018 als Bundessprecherin der Bundesarbeitsgemeinschaft kommunaler Frauenbüros und Gleichstellungsstellen tätig. Die Durchführung der Bundeskonferenz der kommunalen Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten im Mai 2017 war für Ebeling ein Höhepunkt ihrer Amtszeit. Fast 400 kommunale Gleichstellungsbeauftragte und Cornelia Rundt, die damalige niedersächsische Ministerin für Soziales, Frauen, Familie, Gesundheit und Migration, kamen nach Wolfsburg, um gleichstellungspolitische Themen zu diskutieren. “Für mich war es ein persönliches Highlight, die Bundeskonferenz hier durchführen zu können – auch dank der finanziellen Mithilfe der Stadt und der Unterstützung des Oberbürgermeisters.”
Zum 1. Januar übernimmt Antje Biniek, die seit 2014 im Geschäftsbereich Jugend der Stadt tätig ist, das Amt der Gleichstellungsbeauftragten. Was erwartet die Nachfolgerin – und wie weit sind wir heute schon in Sachen Gleichstellung? “Es existieren zwar diverse rechtliche Vorschriften, die Gleichstellung theoretisch ermöglichen, aber praktisch sind sie noch nicht hinreichend umgesetzt”, erklärt Ebeling. “Daher wird es auch noch lange dauern, bis wir diese ‚alten‘ Themen losgeworden sind, bis wir nicht mehr drüber reden müssen, dass Frauen in bestimmten Berufen weniger verdienen als Männer oder dass die Kindererziehung immer noch traditionell in der Hauptsache bei der Frau gesehen wird. Hier gibt es zwar leichte Veränderungen und es sind immer mehr Männer bereit, Familienpflichten zu übernehmen. Aber Statistiken zeigen, dass es ihr immer noch ein Ungleichgewicht gibt, das sich tatsächlich nur ausgesprochen langsam verändert. Oder was die Diskussionen um die Paragrafen 218 und 219a Strafgesetzbuch betrifft: Wenn die bloße Information darüber, dass eine Ärztin oder ein Arzt Abtreibungen durchführt, als Werbung aufgefasst und den Frauen dadurch letztlich unterstellt wird, nicht in der Lage zu sein, eigenständige Entscheidungen zu treffen – dann ist das eine Haltung, die erschreckend und nicht nachvollziehbar ist. In meinen Augen ist es extrem rückwärtsgewandt, Frauen die Fähigkeit abzuschreiben, verantwortungsvoll für sich alleine überlegen und entscheiden zu können. Diese Themen werden auch meine Nachfolgerin noch beschäftigen.”
Eine steigende Bedeutung misst Ebeling auch weiteren Problemstellungen zu, wie etwa der Frage nach dem Umgang mit dem dritten Geschlecht oder dem Spannungsfeld Mehrfachdiskriminierung. “Was heißt es, Frau oder Mann zu sein? Alt oder jung? Aus Deutschland oder einem anderen Land? Auch dieses Thema kann und wird zünftige Generationen noch bewegen”, erläutert Ebeling und fügt an: “Die Arbeit ist einfach nie zu Ende, das Ziel Gleichberechtigung ist noch nicht vollends erreicht. Erfolge sind immer nur Zwischenschritte. Und das ist vielleicht auch die größte Herausforderung in diesem Job: Dass er einfach nie zu Ende ist.”
Für Beate Ebeling heißt es jetzt dennoch, Abschied zu nehmen. “Natürlich freue ich mich auf den Ruhestand, denn ich habe es mir ja selber ausgesucht. Aber ohne Frage gibt es auch das weinende Auge, denn ich habe den Job gerne gemacht und mit tollen Menschen zusammengearbeitet. Allerdings freue ich mich darauf, jetzt viel gemeinsam mit meinem Mann unternehmen zu können.” Außerdem wolle sie fortan mehr Zeit in ihrem “zweiten Wohnzimmer”, ihrem Garten, verbringen und ihre Hobbies – zu denen neben der Gartenkultur die Malerei zählt – wieder aktiv verfolgen.
Vermissen werde sie vor allem Kolleginnen und Kollegen, Mitstreiterinnen und Mitstreiter: “Diese Arbeit lebt vom menschlichen Kontakt – das ist nichts, was man im Büro für sich alleine machen kann. Es gibt auch immer wieder Unbelehrbarkeit, die irgendwann nur noch mit Humor zu nehmen ist. In den vergangenen Jahren habe ich all das erlebt – witzige, traurige und berührende Momente.”
Foto: oh/Susanne Hübner

Tags:

Ähnliche Artikel

Keine Ähnliche Artikel

0 Kommentare

Hinterlasse einen Kommentar

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

Folge CityLife!

Rad Spezi

Stellenangebot

Automobiles