In der Altstadt Fallerslebens sind im Zuge der Errichtung eines Mehrfamilienhauses archäologische Ausgrabungen durchgeführt worden.

Grabungsleiter Bernhard Thiemann zeigt ein Kachelbruchstück mit Löwenkopf und eine Modell zur Herstellung von Ofenkacheln. Im Hintergrund ist eine Grube zu sehen, in der viel Keramik geborgen wurde.

Parzellenstruktur aus dem 16. Jahrhundert wiederentdeckt.

In der Altstadt Fallerslebens sind im Zuge der Errichtung eines Mehrfamilienhauses archäologische Ausgrabungen durchgeführt worden. Die archäologische Begleitung des Bauvorhabens in der Sandkämper Straße hat gezeigt, dass auf dem Areal ein nahezu vollständiger Abdruck einer spätmittelalterlichen beziehungsweise frühneuzeitlichen Hofstruktur erkennbar ist. Noch vor Beginn der eigentlichen Bauarbeiten wurden die historischen Spuren drei Wochen lang sorgfältig untersucht und ausgegraben.
Bei den Ausgrabungen wurden zwei Gruben mit Brandschichten entdeckt und freigelegt. Hinzu kommen unterschiedliche Baubefunde aus verschiedenen Bauphasen, welche zum Teil bereits im 16. Jahrhundert wieder abgerissen und verfüllt worden waren, sowie mehrere Pfostenstellungen und Abfallgruben. Bei einer Grube mit einer Wandung aus Feldsteinen und kleinen Findlingen handelt es sich vermutlich um einen mittelalterlichen Brunnen.
 
Besonders hervorzuheben ist die extrem große Anzahl der Fundstücke in der Ausgrabungsfläche. Insgesamt konnten sehr viele Ofenziegel und Keramik geborgen werden. Sie lassen häufig Material und Fertigungsmängel erkennen. So sind Töpfe und Teller ungleichmäßig gebrannt, die Deckel sind nicht ganz gerade in ihrer Form und Ofenkacheln scheinen nur teilweise farbige Fassungen zu tragen. Darüber hinaus wurde ein Modell zur Herstellung weiterer Ofenkacheln entdeckt. Dieses Modell trägt die Jahreszahl 1574.
Zu den vielen figürlichen Darstellungen auf den Ofenkacheln gehören Freiherren beziehungsweise Adelige, die Geburt Christi und zahlreiche weitere Ornamente. Die Keramik zeichnet sich durch viele Grapengefäße und bemalte Schalen, Schüsseln und Teller aus. Auch ein Kugeltopf mit einem linsenförmigen Boden befindet sich unter den gut erhaltenen Funden.
“Das hohe Maß an Fehlproduktionen könnte auf das ungewöhnlich vollständige Inventar eines Hauses zurückzuführen sein und zeigen, dass auch die ‚zweite Wahl‘ im Küchenschrank landete”, mutmaßt Daniel Pollok von der Unteren Denkmalschutzbehörde. Sie könne aber auch auf eine Sondernutzung des Gebäudes, also zum Beispiel auf einen Handwerker und einen Zusammenhang mit der Herstellung der Keramik schließen lassen. Diese Fragen müssen später in weiteren wissenschaftlichen Untersuchungen geklärt werden. Fest steht: durch die archäologischen Grabungen in der Sandkämper Straße konnte ein weiterer spannender Blick in das frühneuzeitliche Fallersleben geworfen und interessante Erkenntnisse gewonnen werden.
 
In der Altstadt Fallerslebens sind im Zuge der Errichtung eines Mehrfamilienhauses archäologische Ausgrabungen durchgeführt worden.

Darin Abdalla legt Keramikscherben und Ofenkachelstücke in der Sandkämper Straße frei.

Fotos: oh/Stadt Wolfsburg
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