Zum nationalen Festjahr „1.700 Jahre Jüdisches Leben in Deutschland“ beleuchtet die Orthodoxe Jüdische Gemeinde das Scharoun Theater.

Ein christlich-jüdisches Religionsgespräch vor über 300 Jahren am kurfürstlichen Hof von Hannover – warum verdient es Aufmerksamkeit?

In dieser Epoche gab es keine Religionsfreiheit und in der Altstadt Hannovers ist das evangelisch-lutherische Bekenntnis verordnet. Personen anderer Konfessionen und anderer Religionen bekamen Wohnrecht allein in der Neustadt. Unter diesen Bedingungen existierte um 1700 eine jüdische Gemeinde von etwa 65 Personen in der Calenberger Neustadt. Ein aus jüdischer Zugehörigkeit zum Christentum konvertierter Mann hat es sich in dieser Zeit zur Aufgabe gemacht, jüdische Gemeinden zu Religionsgesprächen herauszufordern. Er vertrat die These, mit Belegen aus der hebräischen Bibel beweisen zu können, dass Juden sich taufen lassen sollen… eine heikle Situation. Der Vorsteher der jüdischen Gemeinde um 1704, Leffmann Behrens, genoss hohe Wertschätzung beim hannoverschen Kurfürsten und trug das Anliegen eines Religionsgesprächs dem Kurfürsten Georg Ludwig vor. Der erklärt die Herausforderung zu seiner Sache; am übernächsten Tag fand der dreieinhalbstündige Disput öffentlich im Schloss statt. Es ist ein außergewöhnlicher und glücklicher Zufall, dass der Rabbiner Joseph Samson, der die jüdische Seite des Disputs bestritten hat, ein Protokoll des Gesprächs hinterließ. Zweihundert Jahre später entdeckte ein Nachfahre die hebräische Handschrift und ließ sie 1914 veröffentlichen.
Es gibt in der Literatur kein zweites überliefertes Religionsgespräch zwischen jüdischen und christlichen Vertretern unter den Bedingungen der Nicht-Religionsfreiheit. Das macht das einzigartige Dokument des Religionsgesprächs vom 21. Juli 1704 im Stadtschloss von Hannover umso beachtenswerter.

Zum nationalen Festjahr „1.700 Jahre Jüdisches Leben in Deutschland“ beleuchtet die Orthodoxe Jüdische Gemeinde zu Wolfsburg in Kooperation mit dem Ensemble Concerto Foscari aus Hannover und dem Scharoun Theater Wolfsburg am 06. Juni im Konzert mit dem Titel „In Dialogo. Musik und Lesung zum Religionsgespräch von 1704“ die deutsche und europäische Entwicklung jüdischer Musik und bringt ihre Vielschichtigkeit zum Ausdruck. Das Ensemble Concerto Foscari widmet sich seit vielen Jahren jüdischen Themen. Es befasst sich mit der Entwicklung der jüdischen Musik im deutschen und europäischen Raum, beleuchten auf unterschiedliche Weise die Vielschichtigkeit der Kompositionen und setzt sie in diverse Kontexte. Rezitierte Textpassagen stehen im Dialog zwischen kammermusikalischen Werken des jüdischen, in Mantua beheimateten Komponisten Salamone Rossi und des einst in Wolfenbüttel wirkenden christlichen Komponisten Johann Rosenmüller.

Das „Concerto Foscari | In Dialogo – Zum Religionsgespräch von 1704“ wird am Sonntag, 06. Juni um 16.00 Uhr live aus dem Scharoun Theater Wolfsburg gestreamt und ist auf den Online-Plattformen www.ojgw.deund www.theater.wolfsburg.dekostenfrei zu sehen.
Aktuelle Informationen gibt es auf der Theater-Homepage unter: www.theater.wolfsburg.de
„1.700 Jahre Jüdisches Leben in Deutschland“
Fotos: oh/Veranstalter
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