Heilig-Geist-Kirche

Marlon Hecher, “Aalto Forum”, 1. Preis Wolfsburg Award for urban vision 2020: Der Preisträger fügt in die Heilig-Geist-Kirche von Alvar Aalto ein Möbelsystem auf Schienen ein, das unterschiedliche Raumsituationen und Nutzungen möglich macht.

Marlon Hecher aus Braunschweig gewinnt studentischen Ideenpreis

Was ist in der jungen Stadt Wolfsburg identitätsstiftend und wo liegen Potentiale für die Zukunft? Welche Rolle sollte das bauliche und kulturelle Erbe der Stadt künftig spielen? Alle zwei Jahre fordert der Ideenwettbewerb “Wolfsburg Award for urban vision” Studierende aus ganz Europa auf, in diesem Spannungsfeld Vorstellungen für eine moderne Weiterentwicklung Wolfsburgs zu entwerfen. In diesem Jahr geht der erste Preis an Marlon Hecher aus Braunschweig, für seinen Umnutzungsvorschlag für die denkmalgeschützte Heilig-Geist-Kirche. Der Entwurf wird nicht nur der Architektur von Alvar Aalto gerecht, sondern berücksichtigt auch die veränderten gesellschaftlichen Verhältnisse.
Der Architekturstudent hat mit seinem Entwurf “Aalto Forum” für den Innenraum der Kirche ein maßgeschneidertes, variables Möbels- und Schienensystem entworfen, das verschiedene Nutzungen durch die Menschen aus dem umliegenden Stadtteil ermöglicht, ohne dass das Erlebnis der besonderen Architektur des Baudenkmals beeinträchtigt wird. Mit dieser Idee, konnte sich Marlon Hecher gegen 34 Mitbewerber*innen von 13 Lehrstühlen durchsetzen und gewann den mit 2.500 Euro dotierten ersten Preis. Insgesamt beträgt die Preissumme 5.000 Euro. Entstanden ist die Gewinnerarbeit an der Technischen Universität Braunschweig bei Professorin Almut Grüntuch-Ernst.

 

Mit der Vergabe des ersten Preises würdigt die Jury einen Beitrag, der gerade in seiner Zurückhaltung visionär ist

“Visionäre Ideen müssen nicht immer gleichbedeutend sein mit unbaubaren futuristischen Szenarien”, erläutert Stadtbaurat Kai-Uwe Hirschheide. “Die Arbeit ,Aalto Forum‘ ist nicht nur ein gut durchdachter Entwurf, sondern sie gibt auch einen grundsätzlichen Denkanstoß für den Umgang mit dem für unsere Stadt so wichtigen baukulturellem Erbe der 1950er und 1960er Jahre.” Die Jury lobte an dem Entwurf, dass er nicht versucht, eine völlig neue Nutzung für das Gebäude zu erfinden, sondern den Raum als Treffpunkt und Versammlungsort für die Menschen im Quartier erhält und neu definiert.
Insgesamt vier prämierte Arbeiten aus Deutschland und Belgien spiegeln auch in diesem Jahr die große thematische Bandbreite der Wettbewerbsbeiträge wieder. Denn der Wettbewerb gibt weder ein Planungsgebiet, noch eine konkrete Aufgabenstellung vor. “Die vielen unterschiedlichen Disziplinen und Ansätze zu vergleichen ist immer wieder eine Herausforderung für die Jury, aber genau das macht den Wettbewerb so einzigartig”, sagt Architektin Ingrid Spengler, die in diesem Jahr den Vorsitz über das Preisgericht hatte. Neben dem architektonischen Gewinnerentwurf wurden drei Anerkennungen vergeben an ein Eventkonzept zur Stärkung des sozialen Zusammenhalts, eine virtuelle künstlerische Installation und eine ökologische Landschaftsplanung.
An der belgischen Universität Mons entstand die mit der ersten Anerkennung ausgezeichnete Arbeit. Rund 20 Studierende hatten zuvor im November 2019 Wolfsburg besucht und die Stärken und Schwächen der Stadt erkundet und analysiert. Mit dem “Urbanity Festival” entwickelte Anaïs Mane Mendy eine Idee für ein Event und seinen baulichen Ausdruck, um Kernstadt und Ortsteile enger zusammenwachsen zu lassen. Pavillonartige Module sollen zunächst in den Ortsteilen von den Anwohner*innen gestaltet und bespielt werden, um dann in das Stadtzentrum zu wandern und zu einer Turmarchitektur verdichtet, die Vielfalt der Ortsteile im Stadtkern erlebbar zu machen.

 

Zwei weitere gleichwertige Anerkennungen gingen an Studierende der Technischen Universität Braunschweig und der Hochschule Anhalt

Mohammad Reza Abdollahi Bidhendi aus Braunschweig wurde für seine mittels Virtual-Reality-Brille erlebbare künstlerische Installation “Far from Home” ausgezeichnet. Sie verwebt eindrucksvoll subjektive Perspektiven mit historischer und zukünftiger Stadtentwicklung. Die Arbeit “Resilient City as a Climate Garden” von Esha Kundu aus Mainz erhielt ebenfalls eine Anerkennung. Das Projekt thematisiert das für Wolfsburg wichtige und identitätsstiftende Thema der grünen Freiräume und schlägt ein Konzept zu deren Stärkung im Hinblick auf Klimawandel und städtische Lebensqualität vor.
Die geplante feierliche Preisverleihung im Gartensaal von Schloss Wolfsburg konnte aufgrund der seit Anfang September geltenden Einschränkungen nicht stattfinden. Die Gewinner*innen wurden am 5. November telefonisch informiert.
Insgesamt hatte das Preisgericht im September neun Arbeiten nominiert, die alle in einer gedruckten Wettbewerbsdokumentation sowie unter www.wolfsburg.de/wolfsburgaward veröffentlicht sind. Die vier prämierten Arbeiten sind vom 10. November bis zum 9. Dezember in einer Ausstellung im Schaufenster des Alvar-Aalto-Kulturhauses am Rathausplatz, Porschestraße 51, zu sehen.
Die Dokumentation der nominierten und ausgezeichneten Arbeiten lässt sich über das Forum Architektur der Stadt Wolfsburg unter Telefon (05361) 28-2814 oder per E-Mail an wolfsburgaward@stadt.wolfsburg.de kostenfrei anfordern und steht unter www.wolfsburg.de/wolfsburgaward zum Download bereit.

Foto: oh/Marlon Hecher
Tags: ,

Ähnliche Artikel

Keine Ähnliche Artikel

0 Kommentare

Hinterlasse einen Kommentar

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

Folge CityLife!

Rad Spezi

Stellenangebot

Automobiles